Umgang mit Kindern

Hier und Jetzt in der Kinderwelt

Ein Leben in der Gegenwart

Je kleiner die Biester sind, desto stärker sind sie der unmittelbaren Gegenwart in ihrer Kinderwelt verhaftet, einem "Hier und Jetzt". Ein Locken mit künftigen Freuden, z.B. dass sie später groß und stark werden, viel Geld verdienen oder in den Himmel kämen, wenn sie denn endlich die verdammten Haferflocken äßen, den Teller leerten oder sonst was täten, was sie nicht wollen, ist sinnlos. Es verhält sich wie bei Erwachsenen, denen man verspräche, das Ewige Leben zu erlangen, wenn sie nur sündlos leben würden. Das hat nie hingehauen; nie war die Sünde weg.
Lustprinzip sowie "Hier & Jetzt" sind ja eng verbunden. Sie entsprechen unserer hunderttausende Jahre alten Lebensweise. Diese, die Kinderwelt, steckt in uns drin. Deutliches Merkmal die Aufschieberitis oder "Prokrastination" (damit die Studies es auch verstehen), ein Hinauszögern nötiger Handlungen bis auf den letzten Drücker, ein Phänomen, das jeder kennt und bestens beherrscht. 
Bekanntlich sollen wir alle aus Afrika stammen (1), und dort, wo jedwede Vorratshaltung überflüssig war, weil einem, vereinfacht gesagt, die Bananen in die Hand fielen, weil einfach alle angehäuften Schätze verdarben oder weil Vorräte die Begehrlichkeit der lieben Nachbarn geweckt und somit Kriege bewirkt hätten, waren weder Planung noch Umsicht nötig. Knurrte der Magen, so war bei Strafe des Verhungerns sofortiges Handeln nötig, also per Jagens oder Sammelns. Es gab nur "Hier und Jetzt".

Arbeiten ist Mist

Erst ein Vordringen in kältere Gefielde mit Jahreszeiten, also in Europa, nach Asien und auch Amerika erzwang Vorratswirtschaft, Planung, Voraussicht, Arbeitsteilung, Eigentum, vernunftgemäßes Handeln, was sich in der Folge weder durch Katholizismus noch andere Ideologien in Schach halten ließ. Die Sache mit dem Eigentum ist allerdings nicht so einfach und zwangsläufig, aber aus Männersicht sinnvoll, so dass sie ihre Herrschaft durch alle möglichen Hirngespinste, die Religionen, bei denen es im Kern immer um die Aneignung und Verwaltung des weiblichen Körpers geht, absicherten. Das war die erste richtig wichtige gesellschaftliche Inbesitznahme. Dass Frauen sich z.B. zum Zeichen ihrer Unterwerfung auch noch mit Kopftüchern kostümieren oder sonstwie verhüllen, zeugt von der tollen Akzeptanz der Geschichte, bekannt als die Identifikation mit dem Aggressor, den meisten eher als "Stockholm-Syndrom" bekannt.

Die Fähigkeit, zum Erreichen von Zielen in ferner Zukunft, Verzicht üben, arbeiten zu können, ist also eine ziemlich neue Geschichte in der menschlichen Entwicklung, nicht wirklich normal, ein Fluch, und bereits südlich der Alpen, in einem milderen Klima mit ausgeglicheneren Jahreszeiten, ziemlich rar, wie jeder weiß, mit der Folge, dass der Norden für den Süden blechen muss (2). Eine evolutionäre Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten sozusagen und somit auch "vernünftig". Zurück zu den Gören: Die sind völlig ursprünglich, Afrikaner halt, normal. So wie wir selbst einst waren und liebend gerne wieder wären. Was machen wir bloß aus ihnen?

Reisen und Mentalität

Diese Umstände enthüllen auch den Reiz des Reisens. Immer schwärmen wir in unserem Kulturkreis beispielsweise von der Wärme, der Offenheit und Gastfreundschaft der Eingeborenen, so rund ums Mittelmeer z.B., während wir beim Gedanken an die Schweiz oder Skandinavien eher das Gähnen kriegen und an Bilderebuchlandschaften denken. Die Bewohner dieser Landstriche halten wir für kühl und steif. Ja, selbst in ein und demselben Land machen sich solche Unterschiede bemerkbar: Hamburg und München z.B., Nord- und Süditalien, dito Nord- und Südspanien. Je mehr Geld eine Rolle in einer Gesellschaft spielt, desto stärker machen die Leute zu, denn sie haben Besitz, damit etwas zu verlieren, während die Völker im Süden noch viel länger agrarisch geprägt waren und Solidarität, Gastfreundschaft, Teilen eine viel wichtigere Rolle spielten. Man hatte nicht viel zu verlieren. Diese "ursprünglicheren" Völker zeichnen sich auch durch größere Lautstärke und Beweglichkeit, also Gebärden und Mimik, aus, ferner wird viel eher geduzt, d.h. die Distanz zum anderen ist viel geringer. Sie sind eher hysterisch gebaut, erinnern oft an hopsige Kinder, als die anderen, steifen, beherrschten, die eher Zwangsneurotiker sind. Das Herumzappeln, Gestikulieren usw. der Italiener ist ein Topos. Jeder kennt es. Man denke auch mal an die ganzen Bilder aus dem Fernsehen, Afrika, Naher Osten usw. Das Krankheitsbild ist eindeutig (das unsrige - ein anderes - allerdings auch).
Was wir suchen, ist im Grunde das, was uns früher ausmachte, eine Reise in die Vergangenheit unseres "Kopfes", unsere Kinderwelt, spätestens verloren durch die Geldwirtschaft, den Merkantilismus, Kapitalismus, die Industrielle Revolution, Lesart je nach Gusto. Wir suchen uns selbst, wollen zurück, können aber nicht mehr. Die letzten 200, 500 Jahre sind nur Oberfläche, der Lack.
Nun meine bloß niemand, er könne bei den Eltern "seiner" Gören eine neue Pädagogik einführen: Die werkeln nämlich mit aller Macht daran, den Nachwuchs in die andere Richtung zu trimmen, denn durch den Erwerb bestimmter Charakterverbiegungen winkt Verrückten in unserer Gesellschaft Belohnung. Je kontrollierter, beherrschter, je glatter, steriler und rationaler, desto mehr Geld. Das können wir gegen Waren eintauschen, haben einen "höheren" Lebensstandard und werden glücklich.

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1.) Neuere Erkenntnissse über den "Hobbit" (Homo floresiensis) stellen diese Theorie in Frage, denn Reste dieses Zwerges von etwa einem Meter Körperlänge aus den Kalksteinhöhlen von Liang Bua auf Flores sind nur rund 30.000 Jahre alt, stammen also aus einer Epoche, als bei uns die Eiszeit herrschte und der Zwerg den Homo Erectus, von dem er nicht abstammt, zum Nachbarn hatte. Ähnliche Funde in Dmanisi, Georgien, nahe Kaukasus, auf dem Gelände eines Klosters. Die Wurzeln des Hobbits gehen auf die Australopithecine zurück, die frühesten in Afrika gefundenen Vormenschen, die vor mehr als 2,5 Millionen Jahren ausstarben. Seine Existenz stellt zwei Annahmen infrage, nämlich die, dass unser Ursprung in Afrika liege, und ferner die, dass eine frühe Art des Homo Erectus mit großem Gehirn, die auch Werkzeuge fertigte, die erste menschliche Gattung war, die Afrika vor 1,8 Millionen Jahren verließ. Es ist möglich, dass der erste Mensch also aus Asien stammt, wo sein winziger Vorfahre über Generationen hinweg auf einer abgelegenen Insel überlebte. Die afrikanische Savanne als Wiege der Menschheit sowie die Entwicklung eines größeren Gehirns, das Menschen von allen anderen Tieren unterschieden habe, ist nicht mehr haltbar.

2.) Man denke mal an den berühmten "Marshmallow"-Test. Hier auch Wiki.

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