Kindlicher Wissensdurst

Arbeiten und untersuchen

Ausprobieren und auseinandernehmen

Das tun sie gerne. Sie wollen nützlich sein, sich beweisen. Ausdauer haben sie aber nicht. Es gilt daher den möglichen Schaden einzudämmen. Gören im Garten zu haben, Pflanzen setzen zu lassen o.ä. kann zur Katastrophe werden und zu Mordvorstellungen bei Erwachsenen führen. Kinder zertrampeln alles, hopsen herum, verschleppen die Gartengeräte, spielen usw. Man muss sie also "einzäunen": Hier darst Du was tun, hier sind Deine Werkzeuge ...
Liebend gerne untersuchen sie ihre Umgebung, alles was sie in die Hände kriegen können. Je nach Alter ab in den Mund, zerkauen, auseinandernehmen, zerbrechen, zertrümmern, zerpflücken, zerreißen. Was ist drin? Eine gesunde Neugier und ein Verhalten, wie auch von Affen bekannt. Für die Entwicklung gut, aber für den Geldbeutel schlecht. Dennoch sollte man das, wo immer sinnvoll, unterstützen. Der Fön oder Staubsauger muss nicht weggeworfen, sondern sollte auseinandergeschraubt, notfalls ruhig zerhämmert werden, was auch dem Kinderbetreuer so manches Aha-Erlebnis verschaffen könnte. Das kann auch auf der Terrasse oder auf dem Bürgersteig vorm Haus erfolgen, auf dass die Nachbarn auch ihre Freude haben. Vielleicht wollen sie mitmachen? Das beschäftigt den Nachwuchs lange, ist spannend und lehrreich. Außerdem sind Kinder derart manuell unterwegs, üben ihre Geschicklichkeit und erledigen sichtbar irgendwelche "Werke". Man kann sie sehen, anfassen und stolz darauf sein. Genau, wie Abfälle aus der Küche per Mülltonne beseitigt werden, sollte man auch alle zu entsorgenden Gegenstände auf ihre Tauglichkeit zur Stillung kindlichen Wissendurstes prüfen und sich überlegen, ob sie nicht erst durch die Kinderzimmersperrmüllzertrümmerungsfreudenanstalt laufen sollen. Das nötige Werkzeug hat der Vater im Keller. Nicht vergessen, dieses zu Ende wieder einzusammeln, da die Möbel sonst vielleicht bald ein etwas anderes Aussehen angenommen haben könnten ...

Nahrungsaufnahme

Untersucht wird auch u.U. akribisch, was da auf den Tisch kommt. Ein dunkler Fleck irgendwo, eine Unregelmäßigkeit, starker Geruch etc. - oft reicht ein Blick. Mit "Geschmack", nein, damit hat das nichts zu tun.
Das Thema Essen ist also äußerst heikel: Was denen nicht "schmeckt", schmeckt denen halt nicht. Basta. Das ist im Grunde eigentlich all das, was heutzutage überhaupt noch Geschmack aufweist oder was unbekannt ist. Ferner alles, was vielleicht auch noch "komisch" aussieht oder riecht. Da sie auf Hygiene und Sterilität getrimmt werden, vor allem durch ihre Mütter, werden sie alles ablehnen, was sie an alltägliche aber störende, böse Dinge erinnert. Das ist oft das Geheimnis hinter dem "Geschmack". Man beobachte sich selbst.
Beweis: Es wird schon vor dem Probieren gebrüllt: "Das schmeckt nicht", "Das mag ich nicht", usw., was Eltern zur Verzweiflung treibt. Denkwürdig der Entsetzensschrei der Patenmaus, die rausbekam, dass die Blutwurst tatsächlich nicht nur so heißt, sondern eine IST. Gab es Leber oder Zunge - bestes Fleisch,  reiner Muskel - in der Mensa in den Siebzigern, dann war der Laden voll. Heute kann man sie nur noch verstecken, in Bratklopsen, Cevapcici, Köttbullar usw. Je exotischer die Namen, desto besser. Was hätte das Wienerle, die Weißwurt mit Knorpeln, Bindegewebe, Kalbsköpfen und Füßen zu tun? Wo bleiben Milz und Euter? Wirklich nur im Hundefutter? Warum ist die Weißwurst so komisch weiß? Eine doch höchst merkmürdige Farbe für Fleisch. Man google sie mal sowie "Häutelwerk".
Die Eltern sind die Verursacher dieser Geschichte, wo jeder Versuch scheitert, Wellnessatmosphäre zu erzeugen. Die Verweigerung hat in dem Fall also nichts mit dem Geschmack sondern mit Aussehen, Geruch und Konsistenz zu tun, die unangenehme Erinnerungen und Bilder hervorrufen. In dem Maße, wie die Mütter - sie sind es ja - die Hygienemaßnahmen verschärfen, senken sie die Ekelgrenze und sorgen nebenher auch noch für klasse Allergien. Je fader und neutraler also, desto besser, die Geschmacksrichtung "Süß" ausgenommen. Dies wohl deshalb, weil es in unserer Entwicklungsgeschichte immer für Früchte und Vitamine stand. Nie im Leben können Sie Ihr tolles, liebevoll zubereitetes Essen reinkriegen, wenn es einmal abgelehnt wurde. Und wenn Ihnen dabei die Tränen in den Augen stehen. Das müssen Sie aushalten können! Kindern ist das WURSCHT. 
Rechnen Sie nie mit Dankbarkeit.

Das Ganze Thema mal ganz abgesehen von einem Umstand: Warum müssen Lebensmittel eigentlich "schmecken"? Es sind Lebensmittel, fertig.
Man kann alles verzehren, was üblicherweise bei uns in Europa auf den Tisch kommt. Seit wann können wir uns den Luxus mit dem Geschmack eigentlich leisten? Man mag Vorlieben haben und Abneigungen, aber Essen verweigern? Warum?
In vielen Teilen der Welt ist das nie und nimmer eine Frage, die gestellt werden würde.

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